Herren 1 - Vermutlich weniger Widerstand erwartet
In einer Begegnung, die gegen Schluss hin noch heikel zu werden drohte, holte sich das Herren-1-Team des TV Appenzell beim Tabellenschlusslicht Handball Züri Unterland am Sonntagabend beide Punkte. Mit einem Spiel mehr übernahmen die Innerrhoder in der 1.-Liga-Gruppe 1 damit die Führung.
Im Handball sind die grossen Überraschungen seltener als in anderen Sportarten. Das liegt zu einem schönen Teil am Qualitätsgefälle zwischen den Mannschaften, das sich an und für sich viel stärker bemerkbar machen sollte als etwa im Fussball. Aber dieses „sollte“ kommt eben nicht immer zum Tragen. Der TVA wurde am Sonntagabend in der Klotemer Ruebisbachhalle damit konfrontiert. Als diskussionsloser Favorit in die Partie gestiegen, hätte es zu deren Ende für die Innerrhoder fast noch einen argen Dämpfer gegeben. In der drittletzten Minute konnten die Gastgeber auf zwei Tore aufschliessen (22:24), nachdem sie bis dahin stets einem grösseren Rückstand hinterher gerannt waren, der noch knapp zehn Minuten vor Schluss satte sieben Treffer betrug.
Lange Zeit solid voraus
Das Spiel begann, wie man es erwartet hatte. Simon Manser, Arie Thür, Rouven Inauen und Yannick Inauen schufen binnen neun Minuten einen Vier-Tore-Vorsprung, ehe die Zürcher mittels Siebenmeter zu ihrem ersten Treffer kamen. Und für ihr erstes Tor aus dem Spiel heraus dauerte es weitere zwei Minuten. Im Vergleich zum Team von Christian Hamm waren die technischen Limiten bei den Hausherren gerade in dieser Spielphase unübersehbar. Hätte nicht ihr stark wehrender Torhüter Nathan Ritz Bossicard ein paar „todsichere“ TVA-Chancen zunichte gemacht, wären die Appenzeller mit einem komfortablen Vorsprung in die Pause gegangen. So aber blieb es bei den fünf Toren Differenz, die zwar beruhigend wirkten, aber eben doch noch keine absolute Sicherheit vermittelten.
Viel Zürcher Kampfgeist
Das sollte sich im späteren Verlauf von Halbzeit zwei bewahrheiten. Das 22:15 aus TVA-Sicht in der 50. Minute bedeutete tatsächlich noch nicht aller Tage Abend. Mit unbändigem Kampfeswillen begann Züri Unterland plötzlich, den Abstand sukzessive zu verringern. Dabei gelangen den Einheimischen einige sehenswerte Aktionen, die man im Repertoire des Tabellenletzten nicht unbedingt vermutet hätte. Derweil zeigte in diesem Abschnitt der TVA ein Gesicht, das so gar nicht jenes war, wie man es von ihm üblicherweise kennt. So leuchtete auf der Anzeigetafel 57 Sekunden vor Schluss ein 23:25 auf, was im Handball noch jeden Ausgang offen lässt. Lucius Graf mit einem verwandelten Penalty schaukelte schliesslich den TVA-Sieg über die Distanz.
Eine Bemerkung ins „Gästebuch“
Auf diese Aufholjagd dürfen sich die Zürcher, die bisher alle Spiele in der laufenden Meisterschaft verloren, durchaus etwas einbilden. Weniger Lorbeeren gilt es in anderer Hinsicht zu verteilen. In der 1. Liga sollte es Standard sein, dass die Spieler beider Mannschaften namentlich vorgestellt werden. Und es dürfte erwartet werden, dass ein Hallenspeaker oder eine Hallenspeakerin den Verlauf des Spiels verbal begleitet. Auch würde es zu den Selbstverständlichkeiten gehören, dass die Gastgeber ein Wischteam stellen, so dass nicht teils Gästespieler den Schweiss vom Hallenboden entfernen müssen. Das alles ist in der Wühre stets auf vorbildliche Weise gewährleistet. Doch zurück zum Kern der Sache. Auf den TVA wartet am kommenden Donnerstag (20.15 Uhr) eine weitere delikate Aufgabe. In der Botsberghalle empfängt ihn der HC Flawil, der zuletzt einen deutlichen Aufwärtstrend hat erkennen lassen.
TV Appenzell: Jan Bischof (Abwehrquote 28 Prozent)/Flavio De Carli (17 Prozent); Luca Eugster (1), Lukas Manser (4), Yannick Inauen (2), Kai Thür (3), Simon Manser (4), Rouven Bischof (2), Daniel Inauen, Arie Thür (4), Lucius Graf (3/2), Rouven Inauen (1), Simon Bamert, Laurin Manser (1), Ivano Sovic (1). – Strafen: beide Mannschaften je dreimal 2 Minuten. – TVA ohne Tim Thür, Niels Ham, Marco Inauen, Thomas Koller, Fabrice Oberle, Fabio Sutter.