Herren 1 mit Kantersieg ohne Ansage
Nach einer soliden ersten und einer brillanten zweiten Halbzeit deklassiert das Herren-1-Team des TV Appenzell am Donnerstagabend in der Botsberghalle den stärker erwarteten HC Flawil. Die Innerrhoder konsolidieren damit ihre Spitzenposition.
Man kann fast von einer verkehrten Handballwelt reden. Da hat der TVA am letzten Sonntag in Kloten tatsächlich noch bange Momente zu überstehen, um Züri Handball Unterland, den „armen Schlucker“ in der 1.-Liga-Gruppe 1, schliesslich doch zu besiegen. Vier Tage später erwartet ihn in Flawil eine Mannschaft, von der man nach ihrem Sieg beim Nationalliga-B-Absteiger Arbon hätte erwarten können, dass sie die Innerrhoder zünftig fordern würde. Das war aber lediglich knapp zehn Minuten lang der Fall. Danach setzten sich die Innerrhoder in immer länger werdenden Schritten ab und landeten schliesslich einen Sieg, den in dieser Höhe niemand erwartet hatte.
Mit Biss aufgetreten
Es war von Anfang an spürbar, dass der TVA die Vorstellungen seines Trainers Christian Hamm energisch umsetzen wollten. Dieser hatte im Vorfeld davon gesprochen, dem HC Flawil aufzuzeigen, dass ihr Erfolg in Arbon nicht unbedingt die Realität in dieser Gruppe spiegle. So gaben denn die Innerrhoder sofort den Ton an, auch wenn der Gastgeber die Startphase noch halbwegs ausgeglichen gestalten konnte. Gegenüber der Zielsicherheit Simon Mansers, der in den ersten sechs Minuten drei Tore schoss, war der Flawiler Torwart chancenlos. Nach Treffern von Arie Thür und zweimal Yannick Inauen war nach einer guten Viertelstunde erstmals eine Fünf-Tore-Differenz geschaffen. Sie blieb trotz gelegentlichen Flawiler Aufrückens bis zur Pause bestehen. In der Abwehr leisteten die Appenzeller vor einem zuverlässigen Torhüter Bischof solide Arbeit, wobei auffiel, dass sie manchen Abpraller sichern konnten.
In allen Belangen überlegen
Die zweite Halbzeit wurde dann fast zu einem TVA-Schaulaufen. Das begann beim nunmehr im Tor stehenden Flavio De Carli, der gleich mit vier Paraden in Folge glänzte und erst nach fast sieben Minuten erstmals einen Ball aus dem Netz holen musste. Vorne lief die Angriffsmaschinerie wie geölt, auch wenn sich Flawil eine Viertelstunde vor Schluss noch einmal auf sechs Tore herankämpfte. Lucius Grafs Treffer zum 26:19 aus TVA- Sicht läutete eine Schlussphase ein, in der die Flawiler fast zu Statisten degradiert wurden. Der Sprung vom 20:26 in der 47. Minute zum 20:35 in der 56. Minute sagt diesbezüglich alles. So herrschte denn nach Spielschluss in der TVA-Garderobe schier überbordender Jubel.
Wenn die Innerrhoder diese Spiellust am Sonntag, 16. November, nach Winterthur mitnehmen, darf auch gegen die drittplatzierte SG Seen Tigers/Pfadi Winterthur einiges erhofft werden – wenn denn nicht Unerwartetes die Dinge in eine andere Richtung lenkt.
TV Appenzell: Jan Bischof (Abwehrquote 28 Prozent)/Flavio De Carli (50 Prozent); Fabio Sutter, Lukas Manser (3), Yannick Inauen (7), Simon Manser (6), Rouven Bischof, Daniel Inauen (2), Arie Thür (7), Lucius Graf (6), Rouven Inauen (2), Simon Bamert (3), Laurin Manser, Joel Locher, Ivano Sovic. – Strafen: Flawil 1mal 2 Minuten, TVA 6mal 2 Minuten. – TVA ohne Luca Eugster, Tim Thür, Kai Thür, Thomas Koller, Niels Ham, Marco Inauen, Fabrice Oberle.