Rovereto 2010 - MU17 auf herausfordernder Reise05.04.2010

Das Team aus Appenzell auf internationalem Parkett...

Eine ausserordentliche Saison schreit frmlich nach einem wrdigen Abschluss. Rovereto, wunderschn gelegen im Trentino, ist jedes Jahr Ausrichter eines der wichtigsten Junioren-Turniere Europas. Teams aus Deutschland, Dnemark, Frankreich, Schweden und natrlich der Schweiz, treffen sich ber Ostern in der 35'000 Einwohner zhlenden Metropole im Sdtirol. Whrend zweier Tage messen sich die Mannschaften beim "Torneo citt della Pace" im direkten Vergleich. In der Gruppe C wurden uns hochkartige Gegner zugelost. Mit JSG Bblingen-Sindelfingen (D), Slangerup/Frederikssund (DK) und U.S.B. Longwy (F) wrden wir auf echte Herausforderungen treffen.

Dementsprechend motiviert traten wir am Freitagmorgen die Reise Richtung Sden an. Allen Befrchtungen zum Trotz mussten wir uns nicht in einer Blechlawine nach Rovereto bewegen. Wir kamen sogar so gut voran, dass wir weit vor der eingerechneten Zeit am Ziel eintrafen. Hier zeigte sich dann, wie professionell das ganze Turnier aufgezogen wird. Die weit mehr als 50 Handballmannschaften (dazu kamen nochmals so viele Fussball-Teams) wurden innert krzester Zeit zu ihren "Ferienhusern" gelotst. Wir teilten uns ein Schulhaus mit 14 anderen Mannschaften. In einem leeren Klassenzimmer bezogen wir unsere Schlafpltze, was da hiess: wir rollten unsere Matten und Schlafscke aus. Ein jeder versuchte es sich so gemtlich wie mglich zu machen. In Anbetracht dessen, dass wir sowieso die meiste Zeit in der Sporthalle verbringen wrden, konnten sogar wir Trainer unseren steinalten Rcken die paar Nchte auf dem harten Schulhausboden zumuten. Der Rest des Abends stand unter dem Motto: Essen einnehmen (so schlecht, wie einige sagen werden, war das Essen gar nicht), Erkundungen in der Gegend und etwas Hallenfussball im "Hotelzimmer". Schon frh (im Vergleich zu anderen Mannschaften, die halbe Nchte mit Saufgelagen und grlenden Gesngen verbrachten) zogen wir uns in die Schlafscke zurck und standen am nchsten Morgen mit steifen Rcken als erste Mannschaft in der Mensa. Das Frhstck konnte sich wahrlich sehen lassen und sogar der Kaffee war geniessbar. Schon frh machten wir uns auf den Weg zu unserem Arbeitsplatz, der Sporthalle San Giorgio. Eine schmucke Arena, die in den nchsten zwei Tagen begeisternden Handball bieten wrde. Die Hauptdarsteller: MU17-Mannschaften aus ganz Europa. Im Vergleich zur regionalen Meisterschaft fast alle Spieler noch einmal einen Kopf grsser und einige Pfunde an Muskeln schwerer.

Ob es die unruhige Nacht oder die verstndliche Nervositt (erstmals International im Einsatz) gewesen ist, das erste Spiel wurde total verschlafen. Die Dampfwalze aus Bblingen-Sindelfingen (zum Schluss Finalist und Turnier-Zweiter!) machte uns im wahrsten Sinne des Wortes "platt"! Bis wir uns dem internationalen Rhythmus angepasst hatten, mussten unsere Torhter den Ball schon sieben Mal aus dem Tor fischen, whrend wir noch keinen Treffer gelandet hatten. Die Partie war entschieden, bevor sie richtig begonnen hatte. Zwar fanden die Spieler mit Fortdauer des einseitigen Spieles etwas besser in die Partie und konnten den Schaden einigermassen in Grenzen halten. Das Schlussresultat von 15:5-Toren liess sie aber trotzdem wie geschlagene Hunde von dannen gehen. Unzufriedenheit in allen Gesichtern; da war Wiedergutmachung angesagt.

Das zweite Spiel fr die Appenzeller war erst auf den spteren Nachmittag angesetzt, so hatten wir alle gengend Gelegenheit, Anschauungsunterricht bei anderen Mannschaften zu geniessen. Lehrbuch-Handball vom Feinsten, technische Kabinettstckchen, sportliche Hchstleistungen und Traumtore en masse - fasziniert sogen wir das Gebotene auf und wnschten uns, dazugehren zu drfen. Ab 16.10 Uhr sollte sich unser Wunsch erfllen und allein fr das Spiel gegen das franzsische Spitzenteam U.S.B. Longwy (sie belegten am Schluss den 5. Rang) hatte sich die Reise nach Rovereto gelohnt! Die Franzosen hatten bei ihrem ersten Auftritt das dnische Team demontiert und mit typisch schnellem, kombinationsreichen franzsischem Handball brilliert. Von Appenzell bekamen sie aber von der ersten Minute an das Sonntagsgesicht zu sehen. Da wurde jeder Zweikampf angenommen, jede kleinste Lcke zum Durchbruch genutzt und um jeden Ball gekmpft. Das innere Feuer war erwacht, man stellte sich der bermacht und wollte gewinnen. Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg und so liess Appenzell nicht locker. Die Franzosen wurden mit Fortdauer der Partie immer nervser, die Trainer immer lauter, Appenzell immer besser. Sie bissen sich frmlich im Gegner fest und liessen ihn nicht davonziehen. Zweimal bestand die Mglichkeit mittels Penalty den Favoriten an den Rand einer Niederlage zu stossen. Leider konnte das jngste Turnier-Team die Chancen nicht nutzen und in einer dramatischen Schlussphase gelang es Frankreich, sich die Schweiz mit viel Glck vom Leibe zu halten. Sie gewannen mit 10:9 Toren. Sieger der Party waren aber die Spieler Appenzells, die alle zu beeindrucken wussten.

Zur Belohnung ging es nach der Partie mit dem Bus an den Gardasee, wo wir uns in einer Pizzeria die Belohnung abholten (Verdankt seien an dieser Stelle die Spenden von Alfred und Ursula). Die anschliessende Nacht war noch einige Dezibel lauter als die vorangegangene und wir fragten uns, ob wir wohl die einzigen Sportler mit der richtigen Einstellung waren, die sich um 22.00 Uhr auf den harten Boden zum Schlafe niederlegten.

Das Resultat dieser serisen Wettkampfvorbereitung: auch am zweiten Morgen standen wir als Erste beim Frhstcksbuffet. Dies war auch von Nten, denn bereits um 09.50 Uhr ging es darum, gegen das dnische Team aus Slangerup/Frederikssund wenigstens den dritten Gruppenrang zu sichern um so zu attraktiveren Gegnern in der Platzierungsrunde zu kommen. Bei Anpfiff: Appenzell fr einmal hellwach, sie waren endgltig im Turnier angekommen. Die Aufstellung mutete etwas gewohnheitsbedrftig an, denn die beiden Torhter Mario Rempfler und Dominic Herzog nahmen die Flgelpositionen ein, dies bedingt durch eine Verletzung von Mathias Rempfler, der nicht mehr mittun konnte. Wie alle Anderen auch, liessen die Beiden aber auf dem Feld keine Schwchen erkennen. Das dnische Team hatte nie den Hauch einer Chance und musste sich gegen das Rumpfteam vom Alpstein mit 14:6-Toren geschlagen geben. Auch in diesem Match zeigte Appenzell eine geschlossene Mannschaftsleistung. Aus dem Kollektiv stachen mit Mario Broger und Ramon Hrler aber zwei Leistungstrger heraus, die an diesem Turnier ihr Meisterstck abgaben und bis zur letzten Minute (obwohl sie alle Partien durchspielten!) keine Schwche zeigten.

Nach der Vorspeise Dnemark gab's als Hauptspeise nochmals Dnemark. Gegen das beste dnische Team SMUT BG ging's um die Platzierungsspiele Rang 9 - 10. Die Appenzeller waren richtig in Fahrt gekommen und hatten erkannt, dass auf internationalem Parkett nur mit einer kompakten Verteidigungsarbeit Spiele gewonnen werden. Und diese Defensive wusste auch im zweitletzten Spiel zu berzeugen. Dazu kam das gewohnt fantastische Kombinationsspiel im Angriff. Die Unberechenbarkeit auf allen Positionen liess den Gegner schier verzweifeln. Wenn es in der Mitte kein Durchkommen gab, dann schlossen einfach die Flgel kaltbltig ab. Appenzell gewann souvern und durfte sich als Dessert dem italienischen Spitzenteam CUS Venezia Pallamano stellen.

Nach zwei langen Handball-Tagen, mit krfteraubenden Spielen konnte Appenzell in dieser letzten Partie nicht mehr genug Krftereserven freimachen, um nochmals zu gewinnen. Lange sah es zwar so aus, als knnte Appenzell auch diesen Vergleich noch fr sich entscheiden. Unter der Mdigkeit litt aber die Przision und so machten zum Schluss die Fehlschsse den Unterschied. Mit einer knappen Niederlage schloss man das Turnier auf dem zehnten Platz ab.

Eine letzte, laute Nacht auf hartem Boden, ein letztes Frhstck (natrlich als Erste!), Taschen packen, einsteigen und ab ging's Richtung Appenzell. Einer ausserordentlichen Saison konnte ein weiterer Hhepunkt hinzugefgt werden. Das internationale Turnier wird allen Teilnehmern in bester Erinnerung bleiben. Wir werden an berragende Handballspiele denken, an eine Erffnungsfeier, die der einer Olympiade in keiner Weise nach stand, vor allem aber uns auch an den wunderbaren Teamgeist erinnern, der uns alle Tage begleitete.

das Trainerteam

»Zurck zur letzten Seite«

Hauptsponsoren

Co-Sponsoren

Ausrüster

Gastgeschenk