Frauen 1 verblüfft in eigener Halle13.09.2014

In einem ausgeglichenen, zum Schluss dramatischen Spiel behält die Frauenmannschaft der Handballriege die Überhand und holt beim 23:22-Sieg gegen den SV Fides die ersten beiden Meisterschaftspunkte.

Sagt der Appenzeller Trainer vor dem Spiel zu seinem „Fidesler“ Kollegen: „Wir sind im Lehrjahr, sollte sich die Gelegenheit aber bieten, dann werden wir zupacken!“ Etwas mehr als 60 Minuten später hat die Mannschaft der Handballriege genau diese Chance gepackt und dies auf eine äusserst spektakuläre, ihnen zu diesem Zeitpunkt nicht zugetraute Art und Weise.

Die Rehabilitation

Zwischen den beiden Auftakt-Niederlagen und dem Spiel gegen Fides lag eine sehr gute Trainingswoche, mit vielen, kleinen Schritten in die gewünschte Richtung. Dies bekamen die St.Gallerinnen schon in der Anfangsphase der Partie deutlich zu spüren. Die orange Kraft stellte sich in ihrer offensiven Verteidigungsform hin und war gewillt, keinen Zentimeter zu weichen. Mutig suchte man die Zweikämpfe und gewann die Meisten davon. Fides kam nur selten in gefährliche Abschlusspositionen. Auch den Distanzschüssen aus der Mittelposition wurde von Anfang an ein Riegel geschoben. Schon nach wenigen Minuten machte sich auf Seiten der Gäste ein merkliches Staunen breit. Aus dieser soliden Abwehr heraus liess Appenzell im Angriff das Runde hervorragend laufen. Sie bewegten sich geschickt und warteten geduldig bis sich in der gegnerischen Abwehr eine Lücke auftat. Appenzell diktierte das Geschehen, lag bald einmal 4:2 und 5:3 in Front. Es schien, als hätten sie das Zepter fest im Griff. Ein kurzer Durchhänger und einige Unaufmerksamkeiten spielten dann aber das gute Blatt in die Hände der Gäste. Aus dem 5:3 wurde ein 5:6. Erinnerungen an das Spiel vor Wochenfrist in Uzwil kamen auf. Dies aber auch nur beim Trainer. Die Spielerinnen behielten ruhig Blut, agierten weiter abgeklärt und fanden aus der Baisse. Dass zu diesem Zeitpunkt auch mal die fast die komplette FU17 auf der Fläche stand, sei nur am Rand erwähnt, dem guten Spiel von Appenzell tat dies keinen Abbruch. Erstaunlich, wenn man bedenkt, dass diese aufstrebende Gruppe junger Damen dieses Jahr grad mal ihren 15.Geburtstag feiern können. Der grossartige Auftritt der Juniorinnen ist ein grosser Verdienst der erfahrenen, älteren Routiniers im Team. Ihnen ist es gelungen, die jungen Wilden so in die Mannschaft aufzunehmen, dass sich diese spielfreudig wohl fühlen. Der Ursprung des guten Halbzeitresultates von 10:9 lag im harmonischen Zusammenspiel zwischen Erfahrung und jugendlicher Leistungsbereitschaft.

Ausgeglichene zweite Halbzeit

Die Appenzellerinnen witterten ihre Chance. In der Kabine knisterte es, man lechzte förmlich dem Anpfiff zum zweiten Durchgang entgegen. Die Spiellust war ungebremst und schon kurz nach Beginn der zweiten 30 Minuten konnte zufrieden festgestellt werden, dass Appenzell dort weiter machte, wo sie aufgehört hatten. Das Spiel lief – meist zu schnell für Fides - gekonnt über wechselnde Positionen. Fehler in der St.Galler Abwehr wurden sofort bestraft. Die Chancenauswertung, heute das ganz grosse Plus auf der Heimseite, blieb nahezu perfekt. Je länger die Begegnung dauerte, desto deutlicher wurde aber, dass Fides nie aufstecken würde. Sie kämpften leidenschaftlich bis zur letzten Sekunde. Sie liessen sich nicht abschütteln. Ab der 48. Minute hatten die Gäste ihre beste Phase und distanzierten Appenzell um zwei Längen. Doch auch ein 17:19 Rückstand liess Küken und Co kalt. Sie schlugen zurück. Was sich dann in den Schlussminuten abspielte, war an Dramatik kaum zu überbieten. Appenzell legte vor, Fides konterte.

Die letzten 2 Minuten

Zwei Minuten vor Schluss, beim Spielstand von 22:22 Toren (der Moment, wo beide Trainer für einen Punkt unterschrieben hätten) war es wieder einer dieser schnellen, nahtlosen Pässe, der zum Schluss von einer der ganz jungen Spielerinnen auf magistrale Art und Weise zu ihrer älteren Teamkollegin „gezwickt“ wurde. Die Chancenauswertung blieb auch bei diesem letzten Appenzeller Torschuss genial hoch. 23:22, aber noch fast zwei Zeigerumdrehungen zu spielen. Den Sieg, den sie sich so erhofft hatten, diesen Triumph vor Augen machte Kräfte frei, die sie dem Schlusssturm der St. Gallerinnen entgegen warfen. Fides versuchte alles, von allen Seiten und kam nirgends mehr durch. Zu zweit oder gar zu dritt stellten sich die Spielerinnen der Handballriege dem mutig anrennenden Gegner entgegen. Die leuchtenden Dresses waren überall und zwangen nach endlos langen Sekunden den Schiedsrichter das Zeitspiel anzuzeigen. Ein letzter verzweifelter Versuch missriet Fides. Zeitspiel und das sofortige Team Timeout von der Trainerbank. 17 Sekunden vor Schluss bei Ballbesitz die letzten taktischen Massnahmen. Nach Wiederanpfiff trug man den Ball genau zum richtigen Zeitpunkt so weit wie möglich weg vom eigenen Tor und konnte zuschauen, wie die letzten Sekunden verstrichen. Riesiger Jubel! Appenzell gewann diese unterhaltsame Partie mit 23:22-Toren.

Das Team

Natürlich könnte man jetzt die Gründe für den Sieg in den Leistungen der einzelnen Akteurinnen suchen. Man könnte über die herausragenden Torhüterleistungen sprechen, den frechen Auftritt der Juniorinnen oder über das Geschwisterpaar, dass an neuen Verteidigungsaufgaben wächst und zur grossen „Abräumer GmbH“ gereift ist. Die Linkshänderin, die auf dem Weg ist, ihre Leistungen aus dem Training ins Spiel zu übertragen, oder die Mittelspielerin, die im schnellen Spiel den Weg zum Tor gefunden hat. Über alle Teammitglieder könnte man schreiben so viel man will, sie werden alle im Schatten eines unerschütterlichen Erfolgskomponenten stehen: der Mannschaft als Ganzes, willensstark, unermüdlich, an den Sieg glaubend.

Bericht: Hansruedi Rohner

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